Catherine Jutzeler

Autorin

Catherine Jutzeler hat im Januar 2011 das Studium der Pharmazeutischen Wissenschaften in Basel abgeschlossen. Seit Oktober 2011 ist sie als Doktorandin in der Forschung des Zentrums für Paraplegie tätig. Sie befasst sich mit den sensorischen Systemen (Nerven) und deren Veränderungen nach einer Rückenmarksverletzung (u.a. Schmerzen). Sie ist eine begeisterte Langstreckenläuferin, geniesst gemütliche Stunden mit Freunden und reist gerne in der Welt herum.

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Die Folgen einer Rückenmarksverletzung sind sehr umfassend. Nebst der Beeinträchtigung oder dem Verlust der Fähigkeit, die Muskeln zu aktivieren (Lähmung motorischer Funktionen) und der Fähigkeit, Berührungen wahrzunehmen (Verlust von sensiblen Wahrnehmungen), leiden viele Para- und Tetraplegiker zusätzlich an Schmerzen. Diese können akut oder chronisch auftreten.

Akuter Schmerz

Unter akuten Schmerzen versteht man Schmerzen, welche in direktem Zusammenhang mit der Verletzung des Rückenmarks stehen und zeitgleich auftreten. Bei einer traumatischen Verletzung werden in der Regel nicht nur das Rückenmark, sondern auch andere Körperteile (Organe, Knochen, Muskeln, Nerven, Gewebe) in Mitleidenschaft gezogen. Akute Schmerzen haben die Funktion eines Warnsignals, um auf potentielle Gewebsschädigung aufmerksam zu machen. Mit der Heilung des verletzen Gewebes, Knochens oder Organs, erfährt die betroffene Person normalerweise eine Linderung des Schmerzes.

Chronischer Schmerz

Wenn der Schmerz seine eigentliche Funktion als Warn- und Leithinweis verliert und einen selbständigen Krankheitswert erhält, spricht man von chronischen Schmerzen. Die Konsequenzen von chronischen Schmerzen sind drastisch. Tagtäglich mit anhaltenden Schmerzen zu leben und sich nach schmerzfreien Episoden zu sehnen, ist für die Betroffenen nicht einfach. So sind häufig auftretende zusätzliche Probleme Stimmungsschwankungen, Depressionen, Schlaflosigkeit, Unruhe und Gereiztheit. Insgesamt wird die Lebensqualität durch die Präsenz von chronischen Schmerzen stark beeinträchtigt.

Neuropathischer Schmerz unterhalb der Rückenmarksverletzung

Eine weitere Art von Schmerz, welche häufig nach einer Rückenmarksverletzung auftritt, ist der sogenannte ‚neuropathische Schmerz‘. In der Paraplegiologie ist der neuropathische Schmerz definiert als Schmerz, der unterhalb der Rückenmarksverletzung auftritt, d.h., im Körperteil, welches direkt von der Rückenmarksverletzung betroffen ist. Typischerweise tritt dieser schon relativ rasch (wenige Wochen) nach der Rückenmarksverletzung auf und ist oftmals von chronischem Charakter. Bis heute ist die Entstehung für diese Art von Schmerz nicht vollständig geklärt. Man nimmt an, dass der neuropathische Schmerz eine Konsequenz davon ist, dass sich der menschliche Körper der neuen Situation, der Schädigung des Rückenmarks, anpasst. Dafür spricht die Tatsache, dass der Schmerz etwas verzögert nach der Verletzung auftritt und unabhängig davon ist , ob akute oder chronischer Schmerzen vorliegen.

Neuropathische Schmerzen: anfallsartig oder konstant

Neuropathische Schmerzen können anfallsartig auftreten oder konstant präsent sein. Typische Symptome umfassen brennende Schmerzen, anhaltendes schmerzhaftes Kribbeln (‚Ameisenlaufen‘), Kälte- und/ oder Wärmeempfindlichkeit und Hypersensibilität. Personen, welche an neuropathische Schmerzen leiden, berichten oft, dass Reize, welche normalerweise nicht schmerzhaft sind, plötzlich Schmerzen auslösen: Die Bettdecke über die nackten Beine zu ziehen löst den Schmerz aus oder sich zu Duschen wird zur Qual, weil das über die Haut fliessende Wasser schmerzt. Gemäss weltweiten Schätzungen sind etwa zwei Drittel der rückenmarksverletzten Personen betroffen.

 

Kommentare (1)

  • Ingrid Thalhammer am 26. Jan 2016 um 18:06 sagt:

    Werte Damen und Herren!
    Wenn ein Patient sediert ist und nicht aufwacht, wird mit Schmerzreiz behandelt. Hitze, Kälte oder Nadelstich. Kann durch den Nadelstich das Rückenmark verletzt werden und bei dem Patienten ein Hirnschaden eintreten?

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